Gute Gründe für regionalen Einkauf

Es gibt viele Gründe für regionale Produkte. Meistens sind sie nachhaltiger und umweltschonender. Aber was genau heißt das eigentlich und was spricht sonst noch dafür? Wir haben gesammelt und sind auf 20 gute Gründe gekommen, warum wir alle verstärkt regionale Produkte kaufen sollten.

Kurze Wege

Emissionen und andere Umweltschäden sind bei Importen je nach Produkt und Herkunftsland deutlicher höher. In Bayern gekaufter Spargel aus Argentinien verursacht 280x mehr Emissionen pro Kilogramm als bayrischer Spargel.

*Demmler, M. (2009). Local Food. Regionalität zum Nutzen für Klima und Umwelt? Kritischer Agrarbericht 2009, S. 165-170. www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2009/Demmeler.pdf

Saisonale Produkte

Regionale Produkte sind saisonal. So kann man zwar im Dezember keine Erdbeeren essen, dafür werden Jahreszeiten auch auf dem Teller erfahrbar und der Speiseplan bleibt abwechslungsreich.

Geschlossene Nährstoffkreisläufe

Durch Futterimporte können in Herkunftsregionen starke Nährstoffmängel in Böden entstehen. Die werden mit künstlichen Düngern ausgeglichen, während unser Grundwasser durch zu viel Gülle belastet wird. Wenn die Futtermittel in der gleichen Region angebaut werden, in der sie benötigt werden, schließt sich der Kreis: Die Nährstoffe, die dem Boden beim Wachstum entzogen werden, werden verfüttert und landen als Gülle oder Mist wieder auf dem Feld. Unser Grundwasser würde nicht mehr durch zu viel Nährstoffe belastet. Die Regionen, die vorher nur Futtermittel importiert haben, können für den eignen Bedarf anbauen ohne den Boden auszulaugen. Es wird weniger künstlicher Dünger benötigt, das ist gut für Mensch und Umwelt.

*Wunder, S. (2019). Regionale Ernährungssysteme und nachhaltige Landnutzung im Stadt-Land-Nexus. Ecologic Institut. S. 29.

Schutz der Biodiversität

Damit in einer Region alles regional verfügbar ist, muss die Landwirtschaft vielfältig und nachhaltig sein. Das schafft Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Je kleinteiliger die Landwirtschaft ist, je mehr unterschiedliche Lebensräume entstehen, umso größer ist der Effekt.

*Ruppaner, M. (2014). Naturschutz: Wachsen oder Weichen schadet der Vielfalt. Ökologie & Landbau, 2014 (4), S. 29-30. www.wiso-net.de/document/OELA__d22e500deb43880fe1cfa2b98e2ec26fb07a917e

Ernährungssicherheit

In vielen Bereich sind wir mittlerweile stark von dem internationalen Markt abhängig, auch Lebensmittel sind in Deutschland oft importiert. Aber auch in Zeiten, in denen der globale Markt stark schwankt oder nicht verlässlich ist, sind regionale Produkte zugänglich.

Selbstbestimmung in der Produktion

Erzeuger und Produzenten können eher selber bestimmen, was sie anbauen oder produzieren wollen, wenn sie nicht auf dem internationalen Markt konkurrieren müssen.

Mitbestimmung der Verbraucher

Beim Kauf regionaler Produkte ist die Distanz zwischen Verbraucher und Erzeuger geringer, sowohl räumlich als auch gedanklich. So können Sie als Verbraucher leichter beeinflussen und mitbestimmen, was angebaut und produziert wird.

Gesunde Ernährung

Unverarbeitete Lebensmittel sind oft weniger stark behandelt, weil sie nicht so lange Transportwege überstehen müssen. Viele Betriebe verarbeiten ihre Produkte selbst und verkaufen sie ab Hof, diese enthalten oft weniger Zusätze.

Wenn Sie anfangen sich aktiv damit auseinander zu setzen, welche Lebensmittel Sie kaufen, führt das oft auch dazu, dass Sie ein anderes Bewusstsein für gesunde Ernährung bekommen, z.B. häufiger selber kochen oder andere Lebensmittel kaufen.

Weniger Lebensmittelverschwendung

Vom Feld bis zum Ihrem Teller fallen die meisten Abfälle während des Transports und zwischen den einzelnen Schritten einer Wertschöpfungskette an. Je kürzer die Wertschöpfungsketten und Transportwege sind, desto geringer fällt die Lebensmittelverschwendung aus. In der Regional- und Direktvermarktung müssen die Händler auch weniger Normen beachten und können "unförmiges" Gemüse oder Obst verkaufen.

*Wunder, S. (2019). Regionale Ernährungssysteme und nachhaltige Landnutzung im Stadt-Land-Nexus. Ecologic Institut. S. 29.

Frische und Qualität

Lebensmittel werden reifer geerntet, weil Transportwege kürzer sind. Das ist auch gut für den Geschmack und die wertvollen Inhaltsstoffe.

Landschaftsschutz

Landwirtschaft ist mehr als Nahrungsmittelproduktion: Sie prägt unsere Landschaft. Auch darum ist jede Region einzigartig. Aber nur wenn Landwirtschaft weiterhin kleinteilig betrieben wird und nicht als großflächige Monokulturen, bleibt unsere Kulturlandschaft so, wie wir sie lieben.

*Reeg, T. (2009). Agroforstsysteme mit Wertholzbäumen im Landschaftsbild. In: A. Bemmann, D. Murach, H. Spiecker, T. Reeg, & W. Konold (Hrsg.), Anbau und Nutzung von Bäumen auf landwirtschaftlichen Flächen (S. 325-334). Wiley-VCH.

Wirtschaftliche Resilienz

Regionaler Einkauf beschränkt sich nicht nur auf die Lebensmittel des täglichen Bedarfs. Auch regionale Handwerker, wie Schreiner oder Schuster, verarbeitende Gewerbe, wie Bäcker und Metzger, aber auch regionale Friseure oder IT-Fachleute freuen sich über Ihre Unterstützung. Regionale Wirtschaft, die aus vielen Wirtschaftszweigen besteht, ist stabiler und kann sich besser von Krisen erholen.

*Lukesch, R., Payer, H., & Winkler-Reider, W. (2010). Wie gehen Regionen mit Krisen um? Eine explorative Studie über die Resilienz von Regionen. ÖAR Regionalberatung GmbH. www.oear.at/wp-content/uploads/2018/03/OEAR_1005_BKA_Studie_Resilienz.pdf  S. 23f

Resilienz in der Produktion

In der regionalen Produktion können Erzeuger stärker auf regional angepasste Sorten und Kulturen zurückgreifen und auch eine größere Vielfalt anbauen. Durch eine größere Vielfalt an Sorten und Produkten können Ernteausfälle abgefedert werden.

Arbeitsplätze vor Ort

Der Kauf regionaler Produkte unterstützt regionale Erzeuger und Produzenten und erhält Arbeitsplätze. Aber es werden auch neue Akteure angelockt, die noch mehr Ideen mitbringen und neue Arbeitsplätze schaffen können.

Stärkung der regionalen Wirtschaft

Regionale Einkäufe unterstützen nicht nur Produzent. Es gibt auch viele indirekte Auswirkungen auf die Wirtschaft: Durch die Vernetzung der Wirtschaft profitiert die gesamte Region, z.B. durch höhere Steuereinnahmen. Bleiben die Gewinne in der Region, statt zu internationalen Großkonzernen zu fließen, können regionale Wirtschaftskreisläufe beginnen.

Der Landwirt kauft sich bei der regionalen Fahrradhändlerin ein neues Fahrrad. Der Fahrradhändlerin bestellt beim regionalen Schreiner eine neue Werkbank aus Holz. Der Schreiner kauft seine Hochzeitstorte beim Bäcker. Der Bäcker lässt sein Zimmer von der regionalen Malerin neu tapezieren und streichen. Die Malerin kauft ihr Gemüse von ihrem Nachbarn: dem Landwirt.

*Demmler, M. (2009). Local Food. Regionalität zum Nutzen für Klima und Umwelt? Kritischer Agrarbericht 2009, S. 165-170. www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2009/Demmeler.pdf

Wertschätzung der Produkte

Die Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln, aber auch von allen anderen Produkten benötigt Rohstoffe, Energie, Zeit... Wenn Sie sehen, wie viel Arbeit und Ressourcen in den Produkten stecken, steigt Ihre Wertschätzung für sie. Sie kaufen bewusster ein und werfen weniger weg. Probieren Sie es aus!

Mehr Vertrauen

Bei regionalen Produkten können Sie sich eher mit den Produzent*innen austauschen oder ihnen auch einfach mal über die Schulter schauen. Das ist nicht nur interessant und macht Spaß, sondern stärkt auch Ihr Vertrauen in die Qualität der Produkte.

Kürzere Feedbackloops

Die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung werden in der regionalen Produktion oft deutlicher. Nebeneffekte der regionalen Erzeugung und Produktion sind für Verbraucher sichtbar. Auch die negativen. Das kann Erzeuger und Produzenten dazu motivieren nachhaltiger zu arbeiten. Und als Verbraucher können Sie sich aktiv für nachhaltig produzierte oder gegen umweltschädliche Produkte entscheiden.

Keine Ausbeutung des globalen Südens

Unser Konsumverhalten wirkt sich global aus. Importierte Produkte sind im Vergleich zu regionalen Produkten oft nur günstiger, weil sie auf Kosten der Umwelt und der Bevölkerung in den Herkunftsregionen entstehen. Kartoffeln aus Ägypten haben zum Beispiel einen hohen Wasserverbrauch, der in dem sowieso trockenen Land zu Wassermangel führen kann.

*BUND Heidelberg. Wie viel Wasser steckt in 1 kg Kartoffeln? Durstige Güter. www.virtuelles-wasser.de/kartoffel/

Wahrnehmung ökologischer Grenzen

Jede Produktion, die auf natürliche Rohstoffe angewiesen ist, hat ihre Grenzen. Damit Sie dieses auch kennen und schätzen lernen, hilft es mehr über die Bedingungen der Erzeugung und Produktion im Allgemeinen zu erfahren.

Importierte Produkte

Sie müssen nicht komplett auf importierte Produkte verzichten. Manchen Lebensmitteln wie Orangen oder Kaffee ist es hier schlicht zu kalt. Manche Rohstoffe gibt es nicht in Deutschland. In manchen Industrien wurden in anderen Ländern komplexe Strukturen aufgebaut, die nicht so einfach zu uns verlegt werden können.

Aber informieren Sie sich vorher, ob es regionale Alternativen gibt. Entschieden Sie sich bewusst für diese Produkte, nicht nur nebenbei, und achten Sie auf faire Produktionsbedingungen.